Tims WM Tour: Ein Mexikaner liebt Deutschland

Mexikaner sind gerne unpünktlich, Antonio auch. „Bei uns in Mexiko ist das normal, aber ich versuche die deutsche Pünktlichkeit anzunehmen“, begrüßt mich Antonio. „Ich mag Deutschland“, strahlt er. Er hat das Land in sein Herz geschlossen, als er vor über 30 Jahren in Simmerath Maschinenbau studiert hat. Die deutsche Geschichte, die Technik, die Frauen – das findet Antonio an Deutschland besonders gut. Ich bin beeindruckt, wieder mal, von der Offenheit und Herzlichkeit. Antonio hat fast 2 Stunden gebraucht, um mich zu treffen. Er wohnt in Mexiko-Stadt, allerdings hat der Verkehr wieder sein langes Gesicht gezeigt.

Der Mexikaner bringt Geschenke mit, eine Tasse von seinem Verein überreicht er mir. Außerdem bringt er eine mit einer abgebildeten Mexiko-Flagge mit. Ich freue mich und gebe ihm ein paar Süßigkeiten aus Deutschland mit. „Ich mag die Frösche so!“, schwärmt er wie ein kleines Kind. „Hier sind die viel zu teuer.“ Nicht nur Süßes mag er aus Deutschland, auch den Fußball. „Wir haben viel Respekt vor euch. Wer sagt, Mexiko sei besser als Deutschland, der spinnt!“ Für Antonio sind die Rollenverhältnisse vor dem ersten Gruppenspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft klar. Dennoch hoffe er auf einen Überraschungsmoment, die Mexikaner seien spontaner in ihrem Spiel. Das könne helfen, erklärt er mir doch irgendwie hoffnungsvoll.

Mehrfach war Antonio schon in Deutschland, nicht um den Fußball zu beobachten. Vielmehr trifft er Freunde und fährt gerne Fahrrad. „Das können wir uns von dort abschauen.“ Was mich brennend interessiert, was können wir denn von Mexiko lernen: „Wir genießen den Moment“, sagt Antonio kurz und knapp. Und wie trinkt der Mexikaner Tequila? Antionio zeigt es mir. Salz und Zitrone, ja klar, das kennen wir. Abe die Technik ist entscheidend: In Mexiko träufelt man nicht das Salz auf die Hand und leckt es dann, wie auf jedem 18. Geburtstag schon erlebt ab, um sich dann den billigen Sierra Tequila in die Kehle zu schütteln. In Mexiko genießt man. Etwas Salz auf die Zitrone, dann genüsslich reinbeißen, nicht runterschlucken und dann langsam den Tequila in den Mundraum und nicht runterschütten! Lecker!

So trinkt der Mexikaner gerne einen Tequila zwischendurch und beißt dazu mal in eine Zitrone. Auch Melanie durfte das schon oft miterleben, sie ist Deutsche und lebt seit zwei Jahren in Mexiko-Stadt. "Ich bin beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Menschen." Sie spielt auf das schwere Erdbeben im September des vergangenen Jahres an. Dort sei ihr Mann nicht in der Stadt gewesen, seine Familie hatte sich direkt bei ihr gemeldet. "Jeder einzelne hat gefragt, sie würden mich niemals vergessen", so Melanie. Ich treffe Melanie in einer Bar. Es läuft mexikanische Musik im Hintergrund, wir schlürfen einen alkoholfreien Cocktail, vor uns wuseln die Menschen über die Straße, der Bus hält, Leute springen aus dem fahrenden Bus, es wird gehupt, es ist laut. Das ist Mexiko! 

 

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