Tihange & Doel: Das musst Du wissen

Von September bis Ende November 2017 werden im 100'5 Revier Jodtabletten verteilt. Bezugsscheine zum Erhalt können von allen 16- bis 45-jährigen sowie altersunabhängig von Schwangeren und Stillenden online  beantragt werden. Die Links für Euch:

Stadt Aachen 

StädteRegion Aachen

Kreis Heinsberg

Kreis Düren

Kreis Euskirchen


Das Wichtigste vorab:

Gut zu wissen, mit welchen leichten Mitteln man sich im Ernstfall vor Radioaktivität schützen kann. Deine Wohnung ist ein guter Schutz, wenn Fenster und Türen im Katastrophenfall dicht verschlossen sind. Die Verteilung der Jodtabletten durch die Städteregion Aachen dient vor allem zur Beruhigung der Bevölkerung. Die Verteilung ist kein Anzeichen dafür, dass ein Super-Gau kurz bevor steht. Wir hoffen, Ihr macht Euch nicht allzu große Sorgen, denn ein Leben in Angst wäre doch auch ein Super-Gau für die Seele.

Brauche ich Jodtabletten?

In dem Fall, dass es zum größten anzunehmenden Unfall (GAU) in einem Kernkraftwerk kommen sollte und der Wind in unsere Richtung steht, können radioaktive Jod-Partikel durch die Luft zu uns geweht werden. Das wäre für die Schilddrüse gefährlich. Dieses Organ im Hals ist darauf spezialisiert, jede noch so kleine Spur an Jod aufzunehmen. Die Schilddrüse unterscheidet nicht zwischen normalem oder radioaktivem Jod. Indem man aber eine hochdosierte Kaliumiodid-Tablette zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt einnimmt, wird die Schilddrüse mit frischem Jod gesättigt. So kann kein radioaktives Jod mehr aufgenommen werden. Die schützende Wirkung hält aber nur wenige Stunden. Darum dürfen die Tabletten nicht zu früh eingenommen werden. Die Jottabletten für den Katastrophenfall sind 1000fach höher dosiert als Tabletten zur Behandlung von Schilddrüsen-Erkrankungen.

Jodtabletten sind aber kein Allheilmittel. Sie schützen nur vor der höheren Wahrscheinlichkeit, dass Menschen in einer Region nach einem Super-Gau an Schilddrüsenkrebs erkranken. Nur Menschen unter 45 Jahren dürfen sie überhaupt einnehmen. Bei Menschen ab 46 Jahren ist es nämlich wahrscheinlicher, dass die Jodtabletten mehr Schaden verursachen als das radioaktive Jod. Die Jodtabletten können nur die Schilddrüse schützen.

Viele Menschen wissen gar nicht, ob ihre Schilddrüse in Ordnung ist. Wer´s genau wissen will, sollte mit seinem Hausarzt  sprechen. Nach einem medizinischen Check können Hausärzte auch älteren Menschen Jodtabletten verschreiben. Die Kosten müssen die Patienten dann selbst tragen.

Was könnte in Tihange passieren?

Der Druckbehälter Nr. 2 in Tihange hat von innen tausende Risse. Das haben Ultraschall-Untersuchungen gezeigt. Tihange-Gegner argumentieren, dass ein mit Rissen vorbelasteter Stahl in einem Druckbehälter immer spröder werden wird. Sollte das Metall des Stahlbehälters einmal nachgeben, könnte Kühlwasser auslaufen und die radioaktive Kettenreaktion durch Kühlung nicht mehr auf niedrigem Niveau gehalten werden. Die Kettenreaktion würde unkontrollierbar, die Brennstäbe würden schmelzen, und damit würde der größte Unfall eintreten, den man in einem Kernkraftwerk annehmen kann.

Was ist ein Super-Gau?

Die Brennstäbe im Reaktorbehälter von Kernkraftwerken könnten bei dem größten anzunehmenden Unfall so stark überhitzen, dass sie sich verflüssigen und unkontrollierbar verschmelzen. Dieses Material könnte wegen der enormen Hitze ein Loch in die Schutzhülle des Reaktorkerns brennen und so in das Kraftwerksgebäude und die Umwelt gelangen. Der Wind könnte radioaktive Stoffe hunderte Kilometer weit verwehen.

Inwieweit ist Radioaktivität schädlich?

Im menschlichen Körper kann radioaktive Strahlung die Zellen schädigen. Radioaktivität schadet, wenn Strahlung entweder von außen an den Körper dringt oder wenn radioaktive Partikel durch Essen, Trinken oder Einatmen in den Körper gelangen. Die statistische Wahrscheinlichkeit steigt dann in der betroffenen Region, dass mehr Menschen an Krebs erkranken als vor dem Gau. 

Wie soll ich mich im Katastrophenfall verhalten?

  • Zu aller erst: Ruhe bewahren, denn durch einfache Schutzmaßnahmen ist es möglich, einen Großteil der radioaktiven Belastung zu minimieren.
  • Radio einschalten, und die Anweisungen der Behörden befolgen. Vom Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt es die Warn-App „NINA“ für´s Handy. Die App warnt auch vor Unwetter oder Hochwasser. 
  • Fenster und Türen dicht verschließen, weil so eine Vielzahl radioaktiver Partikel von der Wohnung abgehalten wird. Lüftungen und Klimaanlagen abschalten, damit keine Luft von draußen angesaugt wird. Undichte Fenster und Türen mit Klebeband abdichten.
  • Jodtabletten: Ganz wichtig: Erst einnehmen, wenn die Behörden dazu aufrufen! Wenn sie zu einem falschen Zeitpunkt eingenommen werden, dann wirken sie nicht mehr richtig. Die unbedachte Einnahme kann sogar der Gesundheit schaden
  • Haltbare Lebensmittel für 8-14 Tage auf Vorrat zuhause haben. Es gilt: 2 Liter Wasser pro Person und Tag vorrätig haben.
  • Aufenthalte draußen vermieden. Wer unbedingt raus muss, kann mit Staub-Schutzmasken verhindern, dass radioaktive Partikel in die Lunge geraten. Die Papier-Masken wie man sie aus dem Baumarkt kennt, müssen die Schutzklasse FFP3 haben. Beim Aufenthalt im Freien möglichst auf den Wegen bleiben und sich nicht auf den Boden setzen. Kleidung und Schuhe, die draußen getragen wurden, nicht wieder mit in die Wohnung nehmen. In der Wohnung dann Hände und Gesicht waschen, danach kann man duschen. Dadurch werden radioaktive Partikel, die am Körper haften könnten, abgewaschen.
  • Kinder sollten nur vom Kindergarten oder der Schule abgeholt werden, wenn die Behörden ausdrücklich dazu auffordern. In einem geschlossenen Gebäude sind sie nämlich sicherer als auf der Straße oder im Auto.
  • Nicht versuchen, mit dem Auto wegzufahren. Erst wenn die Behörden offiziell zu Evakuierungen aufrufen, ist es unbedenklich, die Wohnung zu verlassen. Solange seid Ihr im Haus sicherer als im Auto. Wenn Viele auf die unvernünftige Idee kommen, ins Auto zu springen, werdet Ihr durch die Staus eh nicht weit kommen.

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