Ocean’s 8

Peven Steelbergs Kinoblog der Woche: Brauchen wir noch eine Filmreihe, die “verfraulicht” wird? Okay, ich weiß nicht, ob es das Wort überhaupt gibt, aber die Frage haben sich wohl sehr viele Leute gestellt, als sie gehört haben, dass die Räuberbande in Ocean’s 8 komplett aus Frauen besteht. Ist das schlimm? - Nö! Wirkt es nicht etwas aufgezwungen? - Doch, aber das ist etwas, worin Hollywood ohnehin nach und nach versinkt. Und in all den heuchlerischen “politischen Korrektheiten”, mit dem ganzen “Seht her, das ist doch das Normalste der Welt für uns!”, fällt es schon fast gar nicht mehr auf und ist Routine geworden. Immerhin weiß man hier darum und hat es sogar subtil und sehr gelungen im Film verarbeitet. So will die Meisterdiebin keine Männer im Team haben, weil Männer auffällig seien und man ja unauffällig bleiben müsse. Später dann eine humorvolle kleine Ansprache, dass die Aktion nicht aus egoistischen Gründen durchgezogen wird, sondern für jedes achtjährige Mädchen da draußen, das einmal eine Kriminelle werden will (schön verpackt, die Sache mit dem Vorbild für kleine Mädchen und Gleichberechtigung und sowas).

Aber erstmal zum Inhalt: Sandra Bullock spielt Debbie Ocean, die Schwester des Meisterdiebs Danny Ocean und quasi tätig im Familien-Business. Sie kommt aus dem Gefängnis, will ein ganz dickes Ding drehen (einfach nur weil sie es halt kann) und stellt ihr Team zusammen. Dabei ist sie, in Art und Verhalten, die Frau gewordene Kopie ihres Bruders. Nachdem dann jede L.A.-bekannte Minderheit dem Team beigetreten ist (sorry, aber der musste noch sein) steht die Truppe. Immerhin weitestgehend bekannte Gesichter und abwechslungsreiche Charaktere, die wiederum viel zu kurz kommen. Es gibt eine kurze Einführung in den Plan, die nahtlos in die Szenen des eigentlichen Coups übergeht. Kennen wir ja irgendwie schon von den anderen Ocean Filmen. Coole Erklärung, swingig, soulige Mambo Musik (jedenfalls nenn ich das so) und dazu dann die schnellen, gleitenden Schnitte, die das Ganze immer so amüsant zu sehen machen. Hier nur etwas blöd gemacht, weil irgendwie verliert man den Anschluss und steckt plötzlich in einer Stelle des Films, in der man noch gar nicht sein möchte. Irgendwie geht das alles zu schnell: Keine Probleme bei der Vorbereitung (achso, die is schon vorbei?), relativ reibungsloser Ablauf (achso, der Coup ist schon gelaufen?), aber schon ist ihnen jemand auf den Fersen (achso, scheinbar liegt dann da der Fokus?). Kurz denkt man noch die Story schlägt jetzt in eine andere Richtung um und freut sich schon, dass jetzt vielleicht etwas Spannung aufkommt… nö,… Ende! Dabei standen die Zeichen doch so gut. Dickes Star-Aufgebot, coole Ideen, aber irgendwas fehlte da einfach. Es ist ein netter Film und man kann ihn gut gucken. Er packt einen nur nicht wirklich, ist nicht spannend und viel zu kurz.

Wenn Clooneys Ocean ein erfolgreiches Videospiel wäre, hätten wir es hier mit der Mobile-Version fürs Smartphone zu tun - Für zwischendurch ganz gut. Mir kam schon, knapp eine Stunde später, während ich im Zug saß, kurz die Frage: “Was hab ich jetzt eigentlich vorhin nochmal gemacht? - Achja, den Film geguckt.”, so Wenig bleibt leider vom Ocean’s 8 hängen. Dabei hätte echt nicht viel gefehlt um diesen Film wirklich, wirklich gut zu machen.

Ich persönlich finde es schade, dass man hier die Chance verschenkt hat, die weibliche Ocean-Reihe mit einem Paukenschlag einzuleiten und stattdessen, im wahrsten Sinne, nur die kleine Schwester des großen Danny Ocean erschaffen hat.

Keine Ahnung ob Gary Ross allein als Regisseur die Schuld trägt oder er zusammen mit Olivia Milch für das Drehbuch, aber nächstes Mal sollte sich Warner Bros. vielleicht ein besseres Team zusammenstellen. Vor der Kamera funktioniert es ja schon ganz gut. Von mir gibt’s jedenfalls 6 von 10 für den Film.

Euer Peven Steelberg

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