No way out: Gegen die Flammen…aber es geht nicht um das Feuer

Peven Steelbergs Kinoblog der Woche: Der Kampf gegen eine übermächtige Naturgewalt. Diese Prämisse fasziniert Kinogänger schon seit den Anfängen des Films, doch die Herangehensweise an dieses Thema ist sehr vielfältig. Auch in „No way out“ walzen gewaltige Flammenbrünste ganze Landstriche nieder und der Mensch wird begleitet, wie er sein Möglichstes versucht diese Übermacht zu stoppen. Das sind fantastische und spannende Szenen, aber es wird auch schnell deutlich: Dies ist nicht der klassische Feuerwehr-Film. Um das Feuer selbst geht es nämlich nur im Hintergrund.

Im Vordergrund stehen ganz klar die Charaktere. Das Feuer und die Gefahr, die dieses repräsentiert, sind Katalysatoren für starke Geschichten über Familie, Verantwortung und die allgemeinen Stolpersteine des Lebens.

Dabei ist das Wichtigste die grandiose A-List Besetzung des Films. Jeder einzelne spielt seine Figur absolut glaubhaft und tiefgehend, sodass der Zuschauer jede Emotion versteht. Die auftauchenden Probleme strotzen nämlich leider nur so vor Klischees und alt hergebrachtem, sodass weniger gute Darsteller das Drama schnell zum 0815-Werk hätten verkommen lassen können. Da bleibt nur Lob für den gesamten Cast über, der aus dem allenfalls soliden Drehbuch etwas ganz Besonderes macht.

Josh Brolin führt das Ensemble dabei an. Der Charakterdarsteller scheint momentan bei großen Kinoproduktionen omnipräsent zu sein. Als Thanos macht er zurzeit den Avengers das Leben zur Hölle und wir sehen ihn demnächst noch in Blockbustern wie Deadpool 2 und Sicario 2. Hier spielt er den ruhelosen Anführer, der verzweifelt versucht seine Frau und seinen gefährlichen Beruf unter einen Hut zu bringen. Überzeugend mimt er den altgedienten Boss, der verschwörerisch mit dem Feuer spricht und seine Jungs souverän durch jegliche gefährliche Situation führt.

Jennifer Connely ist als seine Frau stark wie immer. Wie realistisch sie die Verzweiflung der Ehefrau eines Feuerwehrmanns auf die Leinwand bringt ist spektakulär und kann auch häufig zu Tränen rühren.

Miles Teller brilliert seit langem mal wieder als tragische Figur. Ein Junkie, der nun Vater geworden ist und lernen muss, Verantwortung zu übernehmen. Er heuert bei der Feuerwehr an um sein Leben in den Griff zu bekommen, aber hat es als Anfänger nicht immer leicht.

Und zu guter Letzt Schauspiel-Veteran Jeff Bridges, der erneut seine Paraderolle als knochiger alter Cowboy zeigt. Er ist sowohl Mentor, als auch Vaterfigur für Josh Brolins Charakter und spielt eine solche Figur mittlerweile wie im Schlaf.

Abgerundet wird die Charakterstudie durch wirklich beeindruckende Aufnahmen der Waldgebiete Arizonas. Wunderschöne Kamerafahrten über grünes Land zeigen sowohl die Schönheit dieser Welt, als auch deren Vergänglichkeit. Denn im nächsten Moment steigen im Hintergrund riesige Rauchschwaden aus und Sekunden später ist diese weite Natur „nichts mehr weiter als Zunder“, wie auch Brolin seinen neuen Rekruten zu Beginn klar macht. Die Bedrohung rollt heran, in Form von gigantischen Feuerwalzen und bietet dem Zuschauer eine optische Augenweide, solange bis nur noch Asche übrig ist.

Eine einfache Story, basierend auf einer wahren Begebenheit, aus der alle Beteiligten mehr gemacht haben. Nämlich ein emotional berührendes, visuell beeindruckendes Drama. Die tollen Darsteller vermitteln ihre Charaktere so interessant, dass man problemlos mit jedem mitfühlen kann und sich auch um sie schert und sogar Angst um sie hat sollten sie in Gefahr geraten.

Unglaublich schade ist der extrem schlecht gewählte deutsche Starttermin, da der Film wahrscheinlich im großen Infinity War Hype untergeht. Ich kann nichts weiter tun, als ihn hier uneingeschränkt zu empfehlen und hoffe, dass viele interessierte Kinogänger diesem Ruf folgen. „No way out“ hat auf jeden Fall Publikum verdient!

Zu sehen ist er ab sofort sowohl im Cineplex Aachen, als auch im Cinetower Alsdorf.

Euer Peven Steelberg

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