Love, Simon - Wenn Liebe so einfach wäre

Peven Steelbergs Kinoblog der Woche: Wir leben im 21. Jahrhundert, die Gesellschaft ist aufgeschlossener und Toleranter denn je und da sollte dazu führen, dass jeder so Leben kann wie er es gerne möchte. Das die Realität ganz anders aussieht, merkt man auch in dem Teenie-Drama „Love, Simon“. Aber geht der Film in diesem Punkt weit genug?

Simon ist ein ganz normaler 17-Jähriger Junge, wie er zu Beginn des Films gleich selbst darstellt. Er geht zur High-School, hängt mit seinen Freunden ab und tut eben alles was man mit 17 so tut. Was allerdings niemand weiß, weil er es einfach noch nie jemandem erzählt hat: Simon ist schwul. Und gleich zu Anfang bemerkt man die große Stärke des Films, nämlich seine Subtilität. Er reibt einem nichts unter die Nase und zeigt eher, als das er erzählt. Wie Simon kleine Witze seines Vaters über Schwule wahrnimmt oder sich aus Beschimpfungen des einzigen Geouteten an seiner Schule heraushält, wird fantastisch dargestellt. Es spielt sich alles im Hintergrund ab und was Simon darüber wirklich denkt sieht man nur an kurzen unbewussten Reaktionen in seiner Mimik, bevor er sich wieder in den Griff kriegt und seine Fassade erneut aufbaut.

Simons Leben ändert sich jedoch als er über einen anonymen Blog erfährt, dass er nicht der einzige heimlich schwule Junge an seiner Schule ist. Und nicht nur das. Als die beiden anfangen zu kommunizieren, sich gegenseitig helfen und Erfahrungen teilen, verliebt sich Simon in den Unbekannten.

Von da an versucht er herauszufinden, wer der anonyme Junge ist und findet immer wieder Hinweise. Auch dies stellt der Film sehr gut dar, indem der Unbekannte „Blue“, der vor dem Computer mit Simon Nachrichten tauscht, immer von dem Jungen dargestellt wird auf den gerade Simons Verdacht fällt. Das bringt den Zuschauer in die gleiche emotionale Position wie den Hauptdarsteller und lässt ihn die Enttäuschung jedes mal genauso heftig spüren, wenn sich die Vermutung als falsch heraus stellt.

Auch insgesamt macht es der Film einem sehr leicht Empathie zu entwickeln. Der Hauptdarsteller ist charismatisch, sympathisch und macht sowohl in den komödiantischen Szenen, als auch an den emotionalen Stellen einen tollen Job. Auch der restliche Cast macht Spaß. Die Teenager wirken echt und realistisch dargestellt und besonders Simons Eltern liefern eine starke Leistung.

Als einzigen Kritikpunkt muss man allerdings anbringen, dass alles ein wenig zu glatt läuft. Nach seinem unfreiwilligen Outing ist Simon zwar am Boden zerstört, wird schief angeguckt und vielleicht auch ein wenig gemieden. Den einzigen richtigen Gegenwind bekommt er allerdings von nur zwei rüpelhaften Idioten, die dann auch sofort zurechtgewiesen werden. Obwohl wir wie Anfangs erwähnt scheinbar in einer Zeit des Verständnisses Leben, kann ich mir schon vorstellen, dass ein Outing in diesem Alter etwas deutlichere Spuren an einer Person hinterlässt.

Dass die Story diesen Turn nimmt, verhindert dann allerdings auch das abdriften in Klischees und macht den Film zu der erfrischenden Abwechslung die er ist. Und auch wenn es am Ende in ein wenig zu viel Kitsch mündet, kann man darüber locker hinweg sehen, weil man die Charaktere zu diesem Zeitpunkt schon total lieb gewonnen hat und man ihnen ein Happy End einfach gönnt.

Alles in Allem ist „Love, Simon“ ein großartiges Beispiel für ein gelungenes Teenie-Drama. Kaum Schmalz, glaubwürdige Charaktere, die auch noch toll gespielt werden und eine Geschichte die ans Herz geht. Erfrischender Humor und emotionale Szenen wechseln sich ab und machen den Film kurzweilig und Unterhaltsam. Ein in einer aufgeschlossenen Gesellschaft immer noch wichtiges Thema und das wird einem besonders klar wenn man sich einige Stimmen zu diesem Film zu Gemüte führt. Ekelhafte Homophobie und komplette Empathielosigkeit sind immer noch viel zu verbreitet und vielleicht hilft der Film dabei einigen Langsameren die Vorurteile zu nehmen.

Der Film macht bei diesem Thema jedenfalls alles genau richtig.

Man kann ihn wirklich nur empfehlen, schaut ihn euch ab dem 28. Juniim Cinetower Alsdorf oder im Cineplex Aachen an. Ihr werdet es nicht bereuen.

Euer Peven Steelberg

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