Jurassic World – Das gefallene Königreich

Peven Steelbergs Kinoblog der Woche: Wisst ihr noch wie es war, als ihr das erste Mal Jurassic Park gesehen habt? Eine neue beeindruckende Welt, große, angsteinflößende Dinos, die bedrohliche Atmosphäre und dazu dann diese ganz bestimmte Melodie. Dieses Feeling, das erste Mal Dinosaurier zu sehen, wie sie wirklich hätten sein können. So lebendig, so beweglich und echt. Keine Knetpuppen, die sich in abgehackten Bildern bewegen: Ein fantastisches Gefühl. Für mich als Kind der totale Wahnsinn. Dieses Gefühl blieb zwar im zweiten Teil noch erhalten, wurde dann aber im dritten Film schon hart angeschlagen. Jurassic World war also etwas worauf ich vor einigen Jahren alle Hoffnung setzte... vergebens! Leider war die Fortsetzung eher ein schlechter ... naja, was eigentlich genau? Kein Reboot, aber irgendwie doch wieder der selbe Kram vom ersten Teil, nur irgendwie in schlecht.

Aber reden wir nicht vom ersten Jurassic World, der zweite lief ja gerade erst im Kino an, der wird's schon richten! - Dachte ich. Aber hier muss ich mal genauer differenzieren. Als alleinstehender Film ist er nicht übel, funktioniert durchaus, hat schöne Effekte, nimmt sogar Streitthemen des ersten Teils selbstironisch auf die Schippe und dennoch muss man die Filme davor nicht gesehen haben um ihn zu verstehen. Für Kinder sicherlich auch ein Spaß.

Als anspruchsvoller Filmegucker und besonders im Kontext der Reihe, muss ich allerdings sagen: Echt jetzt?!

Zur Handlung: Die bekannte Dinoinsel Isla Nublar steht kurz vor ihrem Ende. Ein ziemlich fetter Vulkan ist ausgebrochen und droht nun alle Dinos (wieder mal) aussterben zu lassen. Tierschützer sind empört, dass es keine Rettungsaktionen gibt, Gentechnik-Gegner stehen der Sache eher positiv gegenüber und generell ist das Gerede und Gejammer groß. Claire, "Miss High Heels", ehemals Park-Managerin von Jurassic World, ist inzwischen sehr ambitioniert die Dinos zu retten, hat aber leider keine Mittel dafür. Zum Glück gibt es einen alten, sterbenden Mann, der schon damals mit einem alten, bereits verstorbenen Mann (Jurassic Park Fans wissen wen ich meine: Er hat keine Kosten gescheut - John Hammond) die ganze Dino-Gentechnik ins Leben gerufen hat àBenjamin Lockwood heißt dieser hier. Er lebt zusammen mit seiner Enkelin Maisie, einer Hausdame und dem schmierigen Mills in einem riesigen Anwesen im Wald. Er will, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion, viele Dinos von der Insel retten lassen und an einen geheimen Ort bringen, wo sie in Frieden und abgeschottet leben können, so wie Hammond es gewollt hätte. Dafür braucht er die Hilfe von Claire und die des Raptorenbändigers Nick van Owen (gespielt von Chris Pratt) – Der sexy coole Draufgänger. Dann kommt noch die obligatorische Medizinerin hinzu, die sich nichts sagen lässt und einen einwandfreien moralischen Kompass hat. Zum Schluss noch ein verweichlichter Computerfuzzi, der für die ganzen "ich bin ja so jämmerlich-witzig aber irgendwie auch cool und bin dann im richtigen Moment doch mutig" – Jokes sorgt und das Team steht (wie aus dem Hollywood-Lehrbuch). Die Soldaten, die ebenfalls dabei sind wirken erstmal okay (wir wissen ja, dass die irgendwie immer ihr eigenes Spiel in den Jurassic-Filmen spielen), entpuppen sich aber schnell wieder als genau diese typischen "wir spielen unser eigenes Spiel und wollen eigentlich nur Geld" - Deppen. Wenig überraschend, der schmierige Mills will nämlich die Dinos nur von der Insel holen um sie zu verkaufen, um dann mit dem Geld weitere Forschungen an Dinos für die moderne Kriegsführung sicher zu stellen. Irgendwie unlogisch, weil ohnehin schon in Lockwoods Keller geheim an Dino DNS geforscht wird und auch schon Prototypen extrem gefährlicher Dinos erschaffen wurden. Aber warum Blutpröbchen entnehmen, wenn man auch gleich illegal und mega umständlich die Saurier selbst von der Insel karren kann, die gerade dabei ist zu explodieren.

Okay, Story ist irgendwie doof und die Dinos sind plötzlich gefährdete Tiere und keine Killermaschinen mehr, außer diese im Labor geschaffene Killermaschine natürlich. Einerseits schon neu, aber auch nicht wirklich "Jurassic"-mäßig und trotzdem hat man das Gefühl zum vierten Mal die selbe Story untergejubelt zu bekommen. Noch nerviger aber sind diese typisch unlogischen Handlungsweisen der Protagonisten und Figuren und wie sie sich geben. Wird zum Beispiel ein Soldat mit Waffe im Vorbeilaufen vom Dino problemlos getötet, so stellt sich derselbe Dino beim Jagen der Protagonisten ultra dämlich an. Dafür kann er aber Gitterstäbe verbiegen wie Nudeln nur um dann an einer dünnen Holzschiebetür eines Speiseaufzugs zu versagen. Dummer Dino, nee Moment, plötzlich kann er auch Türen öffnen und hat Sinn für Dramaturgie und weiß wie man Spannung aufbaut – Krasser Dino! Aber leider zu lange gewartet, schon ist die Verstärkung da – Also doch dummer Dino! So geht's dann hin und her.

Zusammengefasst ist "Jurassic World – Das gefallene Königreich" ein Film, der okay ist und irgendwie als Hollywood-Bockbuster von der Stange bezeichnet werden kann. Es fehlen einfach die großen Filmemacher, die den Unterschied machen. Betrachtet man ihn nicht als Teil einer Reihe, die von einer Spielberg-Verfilmung eines Micheal Crichton Romans ausgeht, kann man anschließend durchaus zufrieden aus dem Kino gehen. Wer allerdings höhere Ansprüche hat, fragt sich schnell wodurch das "Prädikat wertvoll" gerechtfertigt wird. Keine überraschende Story, Standard-Charaktere, pseudotiefgründig und leider die üblichen Drehbuchschwächen, die mir persönlich inzwischen zu oft vorkommen, bei Produktionen in dieser Größenordnung. Das Jurassic Park Feeling kam mir leider nur sehr schwach in den kurzen Momenten, in denen die alte Melodie erklang.

Jurassic World – Das gefallene Königreich läuft seit dem 6. Juni in den deutschen Kinos und ist ab 12 Jahren freigegeben.

Euer Peven Steelberg

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