I Feel Pretty – wirklich?

Peven Steelbergs Kinoblog der Woche: Amy Schumer ist zurück in den Kinos. Mit "I Feel Pretty" präsentiert sie uns einen Film, der sich gegen die Diskriminierung von Übergewichtigen aussprechen soll... aber tut er das denn wirklich?

Die Handlung ist eher von der Stange, statt Maßanfertigung: Die mollige, von Selbstzweifel zerfressene Renee kriegt keinen Typen ab, arbeitet im IT-Keller eines New Yorker Kosmetik-Unternehmens und prangert die Oberflächlichkeit der Gesellschaft an, oder jammert zumindest lautstark darüber. Eines nachts wünscht sie sich in totaler Verzweiflung, dass sie gern schön wäre. Nichts passiert, bis sie am nächsten Tag zum Spinning geht, fies vom Rad fällt und sich den Kopf anstößt. Nach kurzer Ohnmacht wacht sie wieder auf und glaubt plötzlich ihr Wunsch sei wahr geworden und sieht sich selbst als bildhübsch. Mit neuem übersprudelnden Selbstbewusstsein erreicht sie plötzlich Alles. Sie findet einen Mann, bekommt ihren Traumjob an der Rezeption ihres Unternehmens und wird sogar die persönliche Beraterin der Chef-Etage für die neue Produktlinie der Firma. Dabei sorgt sie immer wieder für Erstaunen, weil sie sich verhält und redet, als wäre sie die Schönheit und Attraktivität in Person. Es kommt natürlich, wie es kommen muss, sie wird selbst ein wenig zu dem, was sie am meisten hasst und gerät in Streit mit ihren alten "hässlichen" Freundinnen. Als sie sich dann ein weiteres Mal den Kopf stößt, glaubt sie der ganze Zauber sei wieder erloschen, dass sie nun wieder hässlich sei und das schöne Leben vorbei sein muss. Sie meidet ihren Job und ihren Freund, weil sie fest davon überzeugt ist, dass sie sowieso nicht wiedererkannt wird. Den letzten, noch verbliebenen Zufluchtsort sucht sie bei ihren Freundinnen, die inzwischen allerdings keine Lust mehr auf Renee und ihre neue, komische Art haben.

Ohne jetzt das Ende verraten zu wollen, was ich sowieso zumindest indirekt tun werde, man bekommt genau die Unterhaltung, die man auch erwartet. Eine lockere Komödie mit leichten Witzen, einer total vorhersehbaren Story und einer nicht sehr originellen Message. Ja, wir sind alle schön, wir haben es kapiert Hollywood! Deshalb auch ein Film, in dem eine mollige Frau damit versucht witzig zu sein, dass sie sich für sexy hält. Ziemlicher Widerspruch, oder? Man braucht auch nicht den Lachtod zu fürchten bei dieser Komödie. Gut, es gibt zwei, drei echt lustige Stellen, aber größtenteils muss man nur schmunzeln. Ich kam mir unweigerlich vor, als schaute ich einer Frau dabei zu, eine Mischung aus Kevin James und Melissa McCarthy zu sein, es aber natürlich nicht schafft. Traurig ist an der ganzen Sache aber eigentlich, dass man sich die Frage stellen muss, ob dickere Frauen nur erfolgreich damit sein können, ihre Fülle zu thematisieren und darauf ein Comedy-Programm aufzubauen. Wer Amy Schumer kennt, weiß, dass sie oft ihr Übergewicht als Munition für ihre Lachgeschosse einsetzt und sehr penetrant auf ihren Sexappeal besteht. Genau hier sehe ich allerdings die Gefahr, dass es heuchlerisch ist, wie sie gegen das sogenannte Bodyshaming vorgeht. Offenbar ist sie zu schlank um als wirklich fett durchzugehen und zu dick um "wirklich sexy" zu sein (jedenfalls bekommt man den Eindruck vermittelt). Die Lösung also: Die lustige, dicke, sexy Frau, die nicht das Rampenlicht und ihre Zurschaustellung scheut! Ich muss sagen, ich kaufe es ihr leider nicht ab, auch wenn ich die Reduktion auf's Äußere ebenfalls als ernstes Problem der Gesellschaft ansehe. Es fällt allerdings schwer das gesamte Anliegen ernst zu nehmen, wenn es die Verfechter selbst schon nicht zu tun scheinen. Und was ist mit all den Frauen, die nicht lustig sein wollen? Die nicht als Clown, wenn auch "Sexy-Clown" in die Manege gezerrt und als selbstbewusste Superfrauen vor's Publikum gestellt werden wollen? Selbst die eigentlich gute, richtige und wichtige Aussage des Films, dass jeder Mensch schön ist, wird direkt schon als "Klischee-Hollywood-Ende" mit einem Lächeln abgetan und ist auch schnell wieder vergessen.

Der Film ist dennoch eine leichte, nicht allzu schlechte Komödie, die man sich ansehen kann, wenn man nicht mehr erwartet. Keineswegs herausragend oder der Sache dienlich. Es ist und bleibt leider einfach nur ein Film über "eine lustige Dicke", mit etwas "schön gesagt" am Ende. Nur ein weiterer Film mit Pseudobotschaft, um die eigene Karriere zu pushen und sein Dasein im Rampenlicht zu rechtfertigen.

I Feel Pretty läuft seit dem 10. Mai 2018 in den deutschen Kinos und ist für alle Altersgruppen freigegeben.

Tschö mit Ö,

Euer Peven Steelberg

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