Catch Me! - Mehr Kreativität bringt mehr Spaß

Peven Steelbergs Kinoblog der Woche: Ein großartiges Comedy-Konzept, ein bis in die Nebenrollen fantastisch besetzter Allstar-Cast und wieder einmal das Versprechen einer guten Komödie. Dieses wurde in letzter Zeit allerdings so oft enttäuscht, dass man mit einer schon fast zynischen Skepsis in den Saal geht. Catch Me! zeigt dabei die typischen Schwächen moderner Hollywood-Komödien, enttäuscht aber dennoch nicht.

Abgesehen vom Horror-Genre haben die Komödien momentan die höchste Ausfallquote. Warum? Sie sind billig zu produzieren, leicht in irreführende Trailer zu packen und die Zuschauer scheinen keinerlei Ansprüche mehr an diese Art Film zu haben. Über Jahre haben die Studios ihre Kunden auf Mittelmäßigkeit konditioniert und haben Erfolg damit. Minimaler Aufwand bringt maximalen Ertrag. Und so ist die Komödie zum limitiertesten Genre geworden. Man bringt Darsteller in lustige Situationen und lässt sie (im besten Fall) lustige Dinge sagen und so weiter und so weiter. Kreativere Stilmittel, wie Witze durch Kameraführung, Musik oder gut geschriebene Charaktere, werden ignoriert. Sie sind einfach zu aufwändig und auch scheinbar nicht nötig um die Menschen ins Kino zu locken.

Da sticht Catch Me! Zum Glück etwas heraus, auch wenn er nicht alle dieser Probleme in den Griff bekommt.

Der größte Pluspunkt ist seine absolut geniale Prämisse: Fünf Freunde spielen seit ihrer Kindheit, mittlerweile schon 30 Jahre lang das Kinderspiel Fangen. Einmal im Jahr, immer im Monat Mai, ist die Saison eröffnet und erwachsene Männer lauern sich auf, verfolgen sich und sind einfach nochmal Kinder. Einer der Fünf wurde noch nie gefangen und nun tun sich alle anderen zusammen um ihn endlich zu schnappen.  

Einfach perfekt geeigneter Comedy-Stoff, aus dem man so viel lustiges rausholen kann, was der Film glücklicherweise auch macht. Die Kreativität, die man sonst schmerzlich vermisst, wird hier ausgelebt. Die Action-Sequenzen, in denen alle versuchen den Champion endlich zu fangen sind einfach nur großartig. Sie werden mit einer Ernsthaftigkeit durchgezogen, als würden wir einen echten Actionfilm sehen und das alles in Slowmotion. Regisseur und Kameramann haben die Chance sich richtig auszutoben und machen das auch für Actionfilm-Standards echt richtig gut. Im Kontrast zu dieser absolut lächerlichen Idee von Erwachsenen die Fangen spielen, ist das einfach nur zum Totlachen.

Man macht hier etwas Kreatives aus der vorhandenen Idee und das ist so erfrischend zu sehen. Dazu kommt noch, dass sowohl der Regisseur, als auch der komplette Cast, richtig Bock auf diesen Film hat. Komödien-Veteranen wie Ed Helms (Hangover), Jake Johnson (New Girl) oder Hannibal Buress (Broad City) werden unterstützt von Jon Hamm (Mad Men) und Jeremy Renner (Hawkeye in den Avengers Filmen). Letztere überraschen komplett mit ihrem komödiantischen Potential, da man sie eigentlich eher in dramatischen Rollen sieht.

Man kauft der Gruppe die Freundschaft einfach komplett ab. Es macht wieder nicht den Eindruck, dass ihnen vernünftige Gags geschrieben wurden, aber anders als beim furchtbaren How to party with mom funktioniert die Improvisation hier. Das liegt zum einen an der Chemie der Fünf Darsteller, andererseits aber auch daran, dass sie einfach Lust haben diesen Film zu machen. Die Dialoge sind glaubhaft, teilweise extrem lustig und machen auch keinen Halt vor dem ein oder anderen derberen Witz. Dazu werden noch ernstere Themen angeschnitten, die Freundschaft der Gruppe geht einfach zu Herzen ohne zu schmalzig zu werden oder den Ton des Films zu untergraben. Man mag die Charaktere einfach und interessiert sich für ihre Geschichte.

Alles in Allem haben wir hier endlich nochmal eine grundsolide Komödie. Cast und Crew hatten einfach Lust diesen Film zu machen und das merkt man ihm an. Natürlich erfindet man hier das Rad nicht neu, aber man geht kreativ mit dem tollen Prämisse um und macht auch auf filmischer Ebene etwas daraus. Ich hatte sehr viel Spaß im Kino und ich glaube, dass es den meisten auch so gehen wird. Uneingeschränkt zu empfehlen.

Wenn ihr Bock drauf habt seht ihn euch ab dem 26. Juli im Cinetower Alsdorf oder im Cineplex Aachen an.

Euer Peven Steelberg

Mehr zum Thema Programm