D'r Zoch kütt, und kütt und kütt

Daniels Blog: Fettdonnerstag. Es ist 6 Uhr morgens und ich zwänge mich in mein eng geschnittenes Eisbären-Ganzkörperkostüm mit separatem Kopfaufsatz. Karneval ist für viele der bunteste Tag des Jahres und da will ich mit meinem Eisbärenfell einfach dazu gehören. Nur noch schnell das Auto im Parkhaus geparkt und schon stehe ich am Aachener Hauptbahnhof. Hier werde ich in den nächsten 4 Stunden die ganzen Jecken aus dem 100,5 Revier beobachten, sie interviewen und letztendlich verabschieden. Denn fast alle Bahnreisenden haben an diesem Tag nur ein Ziel: Die Karnevalshochburg Köln.

Stoßweise kommen die Karnevalisten am Hauptbahnhof an. Indianer treffen auf Cowboys, Tanzmariechen auf Astronauten und Polizisten auf echte Polizisten. Denn die stehen auch da und haben ein Auge auf das ganze Treiben.

Im Halbstundentakt verlässt die Deutsche Bahn den Aachener Hauptbahnhof. Anfänglich sind die Züge noch relativ leer, doch spätestens ab 9 Uhr gibt es nur noch Stehplätze im Zug. Man könnte eine Gleichung aufstellen an Karneval. Je später der Vormittag, desto voller die Züge …der Alkoholkonsum steigt übrigens auch parallel zur Auslastung der Züge.

Was ist eigentlich meine Aufgabe am Hauptbahnhof? Ich bin der Reporter, der Bericht erstattet bei unserer 100,5 Radio WG. Ich bin der Animateur, der die Zeit bis zum Eintrödeln der Bahn dazu nutzt, um mit den Leuten Fotos zu machen, eine Facebook Liveübertragung schaltet und versucht eine Polonaise mit allen Bahnreisenden auf die Beine zu stellen. Die Betonung liegt ganz klar auf dem Wort „versucht“ … denn so viel haben die Karnevalisten dann doch noch nicht getrunken, um diesen Blödsinn mitzumachen.

Kurz vor 10 Uhr treffe ich auf eine Gruppe Jugendlicher im Alter zwischen 16 und 18, ausgestattet mit einem 5 Liter Bierfässchen. Bei dem Schauspiel, das sich mir da bietet (die Kids wollen um die Wette trinken) fühle ich mich plötzlich nicht nur als Reporter tätig, sondern spüre eine Verantwortung den Jugendlichen eine Standpredigt zu halten. Ich werde mit den Worten abgebügelt: Geh doch zu Radio WG Alter!
Doch die Kids haben die Rechnung nicht mit mir gemacht. Kurzerhand besorge ich aus dem nächstgelegenem Kiosk 4 kleine Fläschchen grünen Smoothie. Der Smoothie ist ein Getränk bestehend aus der wertvollen Vitaminzusammensetzung aus Banane, Grünkohl, Spinat und Ingwer. Mit dieser Kombination aus Obst und Gemüse werde ich die Kids zur Vernunft bringen können und Ihre Hopfen-Limo gegen meine Gesundmacher und Nüchternbleiber eintauschen können. Die Reaktion der Kids fällt „nüchtern“ aus, im Gegensatz zu den Kids selbst: „Geh doch zur Radio WG Alter“. Ich muss mich geschlagen geben und tröste mich mit dem Gedanken, dass ich ja glücklicherweise nicht der Erziehungsberechtigte bin. Außerdem sind die Jungs - genauso wie viele tausend andere Jugendliche - auch wahrscheinlich nur ein paar Kids, die Spaß haben wollen und sich im groben Maß an die Regeln halten werden.

Um 10.40 Uhr verabschiede ich die letzten Karnevalisten in Richtung Köln und mache es mir anschließend mit meinen Smoothies gemütlich. Jetzt muss ich tatschlich diese grüne Plürre trinken. :-)