Daniel und seine Abiprüfung?

Daniels Blog: Ein ganz mieses Gefühl beschleicht mich in meiner Bauchgegend. Ich habe weder etwas Falsches gegessen, noch bin ich gesundheitlich irgendwie angeschlagen. Das dumpfe Gefühl kommt von der Prüfungsangst.

„Die Prüfungsangst (engl. test anxiety) ist eine Angst vor der Bewertung der persönlichen Leistung, die den Betroffenen daran hindern kann, sein Wissen und/oder Können bei einer bestimmten Abfrage unter Beweis zu stellen.“

Aber Moment einmal. Ich bin doch schon fast 15 Jahre aus der Schule raus…wieso fühle ich mich so unwohl? Natürlich weil mich die Schüler vom Cusanus Gymnasium in Erkelenz angesteckt haben, denn die Jungs und Mädels werden von mir als Reporter gleich in ihre Abiturprüfung begleitet.

Obwohl ich zu Schulzeiten einer der Letzten war, der das Klassenzimmer betreten hat, bin ich heute der Erste, der vor dem Klassenzimmer steht, da ich die komplette Stimmung der Schüler erleben möchte. Und dann bekomme ich Gesellschaft. Die Schüler trudeln um kurz nach 8 Uhr ein, bei Manchen sind die Augen noch so klein, dass man merkt, sie haben auf die letzten Meter versucht noch Wissen in sich hinein zu pressen.

8:30 Uhr: Der Flur vor dem Klassenzimmer ist komplett gefüllt. Reges Austauschen. Alle interessieren sich nur für eine Sache: „Hast du gelernt? Ich habe von gar nichts einen Plan! Ja nur so ein bisschen, Alter!“. Man spürt die Anspannung, die in der Luft liegt. Dass ich als Reporter mit Mikrofon zwischen den Schülern stehe, sorgt überraschenderweise auch nicht für Entspannung. Im Gegenteil!

Als um kurz vor 9 Uhr der Lehrer den Flur betritt und das Klassenzimmer aufschließt, müssen alle Schüler erst einmal ihr Handy vorne auf einem Tisch „parken“. Und auch ich bekomme eine klare Ansage: ich darf zwar kurz reinkommen und ein paar Bilder machen, aber spätestens ab 9 Uhr beginnen die Prüfungen und der Herr Reporter muss den Raum wieder verlassen. Da helfen auch meine 50 Euro Bestechungsgeld nicht. Vor dem Klassenzimmer denke ich noch an die angespannten Gesichter der Schüler und drücke in Gedanken Allen meine zwei Daumen.
Irgendwie bin ich ein wenig beruhigt, dass ich mittlerweile mit meinen 34 Jahren so ein alter Sack bin, dass ich solch’ einen Stress nicht mehr mitmachen muss.