TV-Verbot macht Fohlen flott
Die Ausgangslage im Kampf um die Tabellenspitze war nach den Samstagspielen denkbar schlecht – alle Top-Teams konnten ihre Partien gewinnen, so dass die Borussia in Stuttgart „nur“ noch nachziehen konnte. Doch offenbar lief das Team von Lucien Favre völlig unberührt von den anderen Resultaten auf: „Wir wussten gar nicht, wie die anderen gespielt haben, weil wir im Team-Hotel TV-Verbot hatten“, scherzte Martin Stranzl. Und auf die Frage, ob ein Ergebnisdienst nicht über diverse Smartphones möglich gewesen wäre, setzte der Österreicher noch einen drauf: „Im Zug hatten wir alle keinen Empfang und den HotSpot hat der Trainer abschalten lassen.“
„Das stimmt nicht“, lachte Favre daraufhin. Nach dem lockeren Dreier beim VfB strahlten die Borussen-Akteure um die Wette. „Der Sieg geht auch in dieser Höhe absolut in Ordnung“, meinte der einmal mehr überragende Marco Reus. „Wir hätten nur den Sack eher zumachen müssen.“ Stimmt! Denn die Borussen hatten allein im zweiten Durchgang ein halbes Dutzend klarer Torchancen ungenutzt gelassen. „Nach jedem Spiel gibt es Dinge, die man kritisieren kann“, sagte Tony Jantschke, „und heute hätten wir früher das zweite Tor nachlegen können.“
Dabei hätte es rein theoretisch gar kein zweites Tor gebraucht. Denn, ähnlich wie der FC Bayern vor einer Woche, war der VfB Stuttgart nicht ansatzweise in der Lage, dass Tor der Gladbacher nennenswert in Gefahr zu bringen. Dass der 1,68 Meter „große“ Tamas Hajnal per Kopf (!!!) aus 14 Metern (!!!) die größte Torchance der Stuttgart vergab, ist sinnbildlich für die jederzeit einseitige Partie. „Die zweite Halbzeit ging total an uns“, bilanzierte Lucien Favre, der seine Viererkette auf zwei Positionen verändern musste, weil Roel Brouwers (Rückenprobleme) und Filip Daems (kurzfristig erkrankt) nicht mitwirken konnten. So durfte Oscar Wendt als linker Verteidiger in seinem vierten Spiel den ersten Sieg feiern. „Das war wichtig für ihn und seinen Kopf“, freute sich der Coach.
Durch den Raketen-Start in die Rückrunde konnte die Borussia den Champions-League-Platz mit einem Vorsprung von acht Punkten festigen. Während die direkte Konkurrenz aus Bremen und Leverkusen ins neue Jahr rumpelt, wirkt die 'Fohlen-Elf' so gefestigt wie nie. „Momentan spielen wir als Team überragend“, so lautet die wenig exklusive Meinung von Marco Reus. Im Spiel nach vorne wirken die Abläufe von Woche zu Woche noch abgestimmter und eingespielter und um die Leistung der Defensive einzuordnen, bedarf es nur einen Blick auf die Tabelle. Zwölf Gegentore – Ligaspitze.
Spielen wie eine Spitzenmannschaft – ja, reden wie eine Spitzenmannschaft – nein! „Wir sind oben dran und wollen weiter probieren zu punkten“, formulierte Jantschke eine ganz zarte Kampfansage. „Natürlich hat man Selbstvertrauen, wenn man so einen Lauf hat“, sagte Patrick Herrmann, „das wollen wir nächste Woche in Wolfsburg fortsetzen.“ Dort werden die Borussen als Favorit ins Spiel gehen – ob sie wollen oder nicht.
Autor: Andreas Cüppers


