Paradoxes Tabelle-Laune-Verhältnis im Borussia-Park

- Die Leverkusener sahen meist nur die Bremslichter von Marco Reus und Co. - trotzdem sprang am Ende nur ein Punkt heraus. (Foto: DFM)
Eine DVD von einem Spiel, wie eine Gladbacher Mannschaft den deutschen Vize-Meister an die Wand gespielt hat, wie es am Samstagnachmittag der Fall war, wird wohl bisher nicht existiert haben. Bestenfalls wird es davon eine VHS-Kassette geben, so lange sind Ereignisse dieser Art her. Die Fakten sind fast zu schön, um davon zu träumen: Tabellen-Platz zwei, zweitbeste Abwehr, zweitwenigsten Niederlagen. Trotzdem waren am Samstag um 17.21 Uhr alle Borussen traurig.
„Wir hätten fünf oder sechs Tore schießen müssen“ - was sonst eher in die Kategorie „populistische Stammtisch-Gejohle“ gehört, ist die realistische Einschätzung der Darbietung der Borussia. Dass es am Ende nur zwei Treffer waren, lag in erster Linie an einem überragenden Bernd Leno im Leverkusener Tor. „Er hat sehr gut gehalten“, zog Patrick Herrmann den Hut. Sehr gut, aber nicht gut genug, um seinen frechen Lupfer zu entschärfen. In der Phase, als Leno gefühlt der fünfte Arm wuchs, behielt der 20-Jährige die Nerven.
„Er macht die Tore“, sagt Favre über Herrmann, „das sieht man im Training“. Der Borussen-Coach schickte den flinken Mittelfeldmann etwas überraschend für den verletzten Igor de Camargo ins Rennen. Raul Bobadilla, etatmäßiger Vertreter im Sturmzentrum, musste die Bank drücken. Mit der Beförderung von Marco Reus als zweite Spitze gegen eine denk- und handlungslahme Innenverteidigung hat Favre einmal mehr alles richtig gemacht. Zwei Dutzend (!) Torschüsse feuerten Reus und Co. gen Leverkusener Tor – und trafen Latte oder Leno!
„Wir werden weiter an unserer Torausbeute arbeiten“, verspricht Mike Hanke und droht: „Wenn der Knoten platzt, dann geht es richtig los!“ Hält Hanke sein Wort, dann dürfte der Konkurrenz Angst und Bange werden. Abgesehen vom Umwandeln der Chance in Tore zeigt die Borussia im Moment kaum Schwächen. Die beiden Gegentore resultierten aus einer Ecke und einem Sonntagsschuss. Situationen, die nicht immer verhindert werden können.
So hat sich die Borussia längst eingenistet in der Spitzengruppe der Tabelle. Und irgendwo spricht es auch für den Charakter der Mannschaft, dass sie immer noch nach dem Haar in der Suppe sucht und nicht im Ansatz selbstzufrieden wirkt.
Autor: Andreas Cüppers - Mehr News zur Borussia auch auf Facebook

