Die Superhits der 80er, der 90er und das Beste von heute

Große Chance auf den Pott mit den großen Ohren

Die Champions League kennen die meisten Borussen nur aus dem Fernsehen. Das könnte sich bald ändern. (Foto: bundesliga.de)

Es ist dieser Moment, wenn das ganze Stadion kurz innehält. Im Mittelkreis wird eine überdimensionale Plane, die aussieht wie ein Fußball, von einem guten Dutzend Volunteers zum Leben erweckt. Die Spieler schreiten auf den Platz, sie blicken hoch zum Flutlicht und sehen diesen leichten Nebel durchs Stadion ziehen. Dann genießen sie den Blick auf die aufwendige Choreographie der Fankurve, das ganze Stadion erhebt sich und dann erklingt diese Hymne, die jeder Fußball-Fan schon hunderte Male gehört hat, die deshalb aber nicht ein Prozent ihrer Wirkung verloren hat. „Die Meister“, „The Champions“ und „Les grandes equipes“ werden durch den Gesang der Academy of St. Martin in the Fields gehuldigt. Willkommen in der Champions League.


Spätestens seit Samstagabend sollten die Stadiontechniker mal drüber nachdenken, sich wenigstens eine Demo-Version der Champions-League-Hymne herunterzuladen. Denn das, was die Borussia gegen Schalke 04 – Champions-League-Halbfinalist in der letzten Saison – angeboten hat, war reif für die Königsklasse. Die Borussia konnte den Anschluss an die Tabellenspitze wahren und, noch viel wichtiger, den Vorsprung auf die Verfolger aus Leverkusen und Bremen, die im Schneckentempo ihren Ansprüchen hinterherlaufen, ausbauen. Inzwischen ist das Punktepolster auf die „Nicht-Champions-League-Plätze“ auf zehn Zähler angewachsen.


Selbst wenn sich eine Schwächeperiode bei der Borussia einschleichen sollte, scheint ein Überholmanöver der Konkurrenz unmöglich. Werder Bremen fehlt in dieser Saison die Klasse, um ganz oben anzugreifen. Bayer Leverkusen hat die Teilnahme an der Champions-League schon abgehakt, was grundsätzlich kein Ausschlusskriterium ist, aber bei so vielen „self-made-problems“ ist eine Aufholjagd der Werkself eher unwahrscheinlich. Von Rang sieben und acht grüßt die Niedersachsen-Fraktion. Hannover wird möglicherweise noch viele Körner in der Europa-League lassen und Wolfsburg – im Meisterjahr übrigens von Platz neun im Winter gestartet – wird bei solch einer verheerenden Auswärtsbilanz keine 16 Punkte in 13 Spielen aufholen.


Dass Trainer und Mannschaft derweil auf die Euphorie-Notbremse treten, ist eine wenig überraschende Verhaltensweise. Schließlich hat diese Art der Selbsteinschätzung mit dem Amtsantritt von Lucien Favre vor genau einem Jahr Einkehr gehalten. Am kommenden Wochenende wird die Borussia ihr 34. Meisterschaftsspiel unter dem Schweizer bestreiten. Bisher sammelten die 'Fohlen' sagenhafte 63 Punkte in dieser Zeit. Wenn Lucien Favre also aus Verlegenheit ein „Wir wollen weiter so“ in die Mikrofone diktiert, dann soll das heißen, dass der Punkteschnitt gehalten werden soll, was zwangsläufig eine Qualifikation für die Champions League nach sich ziehen würde.


Ach ja, ganz nebenbei steht die Borussia auch noch im Pokal-Halbfinale. Genau dort stand man auch im Jahre 2001 und 2004, schied allerdings gegen die Außenseiter Union Berlin und Alemannia Aachen aus. Das kann in diesem Jahr allein deswegen nicht passieren, weil der Gegner Bayern München heißt. Obwohl, die Bayern haben in dieser Spielzeit schon zweimal den Kürzeren gegen Favre´s fantastische Fohlen gezogen. Fortsetzung folgt?!?


„I have dream“ hat ein tollkühner Fan auf einen Doppelhalter gekritzelt und diesen mit der Meisterschale und dem DFB-Pokal verziert. Was vor einem Jahr noch eine Zwangseinweisung zur Folge gehabt hätte, ist jetzt Realität geworden. Borussia greift nach den Sternen. Nicht als Spitzenmannschaft sondern nach eigenen Aussagen als Überraschungsmannschaft.


Am kommenden Wochenende geht die Reise in die Pfalz. Im Moment braucht es eine Menge Fantasie, um die Vorstellung mit Leben zu füttern, dass der schlechteste Angriff der Liga die beste Abwehr Europas in Verlegenheit bringen soll. „Jedes Spiel hat seine eigene Geschichte“, erzählt Lucien Favre gerne und warnt auch nach der Gala gegen Schalke vor „einem extrem schweren Spiel“. Wenn der Schweizer spricht, macht er immer ganz große Augen. Er wirkt überzeugend. Und bei seinen Spielern stößt er auf große Ohren. Genau die Ohren, die die Champions-League-Trophäe so einzigartig machen.

 

Autor: Andreas Cüppers

Quelle Foto: http://www.bundesliga.de/de/