Geteiltes Echo auf Reus-Transfer
Es ist zweifelsohne ein Transfer mit Seltenheitswert. Dass sich ein Spieler, der monatelang öffentlich vom FC Bayern umgarnt wird, gegen den Branchenprimus entscheidet und für vermutlich weniger Geld zum schärfsten Konkurrenten der Bayern wechselt, hat es in der Bundesliga-Historie nicht allzu oft gegeben. Ungewöhnlich ist auch, dass ein Transfer dieser Größenordnung durch die Vereinsmeldung auf der Homepage bekannt wurde und nicht – wie so oft – vom Boulevard schon Tage vorher enthüllt wurde.
Für die Borussia war es auf jeden Fall ein „schwarzer Mittwoch“. Mit Reus verlieren die Gladbacher ihr bestes Fohlen aus dem Stall. Dazu hat auch Roman Neustädter mitgeteilt, dass er seinen Vertrag nicht verlängern wird. Obwohl das nächste Meisterschaftsspiel noch rund 14 Tage in der Zukunft liegt, gibt es eine Menge Gesprächsbedarf im Borussen-Lager. Und viele Fans haben es sich zu nutzen gemacht, dass man im Zeitalter des Internets die eigene Meinung problemlos publizieren kann.
Einen Tag nach er Veröffentlichung des Reus-Wechsels haben alleine bei Facebook fast 3.000 User auf der Borussia-Seite die Nachricht kommentiert. Das Echo fiel geteilt aus. Einige Fans lassen ihrer Enttäuschung freien Lauf und sehen in Reus einen Verräter. Andere trösten sich mit dem Fakt, dass Reus nicht den üblichen Weg zum FC Bayern gegangen ist, sondern den BVB als neuen Verein ausgewählt hat. Ein großer Teil der User zeigen sich dankbar für die tolle Leistungen, die Reus in den letzten Jahren im Gladbach-Trikot abgeliefert hat. So schreibt Georgios Kirkenidis : „Danke Marco für alles, du bist mitverantwortlich dafür, dass wir nicht abgestiegen sind und dass wir dieses Jahr so gut dastehen! Ich hoffe das du weiterhin bis zum Saisonende alles für die einzig wahre BORUSSIA gibst! Viel Glück und Erfolg für deine weitere Zukunft.“
Es wird sicherlich ein paar Tage oder Wochen dauern bis die Tränen des Reus-Abschieds getrocknet sind. In der ersten Emotion darf man aber nicht vergessen, dass die Borussia aktuell die beste Saison seit Jahrzehnten spielt und Reus in der Rückrunde alles dafür tun wird, dass sich daran nichts ändert. Max Eberl und Lucien Favre haben einige Monate Zeit, um einen möglichen Reus-Nachfolger zu finden. 17 Millionen Euro Ablöse, dazu eine mögliche Teilnahme am Europacup sollten dafür sorgen, dass sich die Erde auch nach dem 30.6.2012 in Gladbach noch drehen wird.
In Anbetracht der Tatsache, dass der Abgang von Marco Reus sowieso sehr wahrscheinlich war, ist es für die Bundesliga und Nationalmannschaft mit Sicherheit kein Nachteil, dass Reus nicht zum FC Bayern gegangen ist, sondern sich Jürgen Klopps Talentschmiede anschließen wird. So könnte die Dauerdominanz des Rekordmeisters vielleicht unterbrochen werden. Und das sorgt doch auch bei den Gladbach-Fans für ein lachendes Auge.
Autor: Andreas Cüppers


