Die Superhits der 80er, der 90er und das Beste von heute

Ein fader Beigeschmack

Im Brennpunkt: Mit einer Schauspieleinlage provozierte Igor de Camargo den entscheidenden Elfmeter (Foto: DFM)

Immer und immer wieder biss sich Michael Preetz auf die Zähne, so dass die Wangen in einem Intervall zuckten als würden Hauptschlagadern mitten durch sein Gesicht laufen. Dabei lauschte er, wie etliche Journalisten, der offiziellen Pressekonferenz nach dem Pokalspiel zwischen Hertha BSC Berlin und Borussia Mönchengladbach. „Ich habe es nicht gesehen und kann mir kein Urteil leisten“, antwortete Lucien Favre auf die Frage nach seiner Einschätzung zur Schiedsrichterentscheidung, die zum Elfmeter führte.


Fassungslos schüttelte Preetz den Kopf, wollte seinem ehemaligen Trainer sogar ins Wort fallen, ehe er noch so gerade rechtzeitig die innere Reißleine zog und weiter auf die Zähne biss. Die Verärgerung der Herthaner über den Elfmeter und die übertriebene Theatralik von Igor de Camargo ist nachvollziehbar. Sah es in Echtzeit noch aus, als habe Roman Hubnik dem Gladbacher Angreifer eine Kopfnuss verpasst, so enttarnten die Fernsehbilder de Camargo als Laienschauspieler. Natürlich gab es eine Berührung der beiden Köpfe und weil Hubnik schnellen Schrittes – und völlig unnötigerweise – Richtung de Camargo stapfte, wirkte Hubnik im ersten Moment wie der Übeltäter.


Den fälligen Elfmeter verwandelte Filip Daems gewohnt sicher. Mit seinem ersten Ballkontakt erzielte Oscar Wendt in der Nachspielzeit der Verlängerung seinen ersten Treffer für die Borussia und beendete damit endgültig den Berliner Traum vom Finale im eigenen Stadion. Der Einzug ins Halbfinale – erstmals seit 2004 – ging im Theater um de Camargo und den Elfmeterpfiff leider etwas unter.


Klar, es war von Roman Hubnik unfassbar ungeschickt, eine Privatabrechnung mit de Camargo im eigenen Sechzehner zu machen als der Ball noch im Spiel war. Aber muss man dann so fallen? Natürlich hat es das schon dutzende Male im Profifußball gegeben. Genau vor einem Jahr wurde im Abstiegskampf die Partie zwischen St. Pauli und der Borussia auf fast die gleiche Art und Weise entschieden. De Camargo stand Kopf-an-Kopf Matthias Lehmann gegenüber und der Paulianer ließ sich theatralisch fallen. Die Folge: Rot für de Camargo, Sieg für St. Pauli und ein großer Aufschrei nach mehr Fairness.


Diesen Aufschrei wird es wohl auch diesmal wieder geben. De Camargo, der schon in der regulären Spielzeit die gelbe Karte wegen einer Schwalbe gesehen hatte, wird in den Fokus der Öffentlichkeit und der Schiedsrichter rücken. So bleibt ein fader Beigeschmack nach diesem Pokal-Abend in der Hauptstadt.. Vorbildlich war es nicht, aber immerhin erfolgreich. Und nur das zählt in diesem Geschäft. Leider.

 

Autor: Andreas Cüppers