Die Ruhe nach dem Sturm
Mit dem Wintercup und der Fokussierung auf den Rückrundenstart ist bei der Borussia wieder der Alltag eingekehrt. Die Transfer-Wellen um Marco Reus und Roman Neustädter sind abgeebbt. Und glaubt man den Spielern, dann hat die mediale Unruhe in der Winterpause das Innenleben der Mannschaft nie erreicht.
„Bei uns“, sagt Martin Stranzl, „hat es nie eine Unruhe gegeben. Es ist teilweise sogar ganz witzig, was da für Meldungen kommen.“ Der Österreicher bezieht sich damit auf die kolportierte Spielerflucht, die im Zuge der Abgänge von Reus und Neustädter in diversen Gazetten zu lesen war. Die aktuelle Lage – nämlich Tabellenplatz vier und DFB-Pokal-Viertelfinale – ist viel zu wertvoll, als dass diese durch Störfeuer von Außen in Gefahr geraten dürfe. Es ist Jahrzehnte her, dass die Borussia vom Niederrhein so komfortabel in eine Rückrunde starten konnte.
Kaum vorstellbar, dass diese Mannschaft, die im Jahr 2011 durch einen nicht für möglich gehaltenen Klassenerhalt, sowie durch einen für noch weniger möglich gehaltenen Höhenflug, regelrecht zusammen geschweißt wurde, auf der Pole-Position stehend den Rückwärtsgang einlegt. „Wir stehen im Moment verdient auf dem vierten Platz“, analysiert Filip Daems, „es kann sein, dass in der Rückrunde ein paar Rückschläge geben wird, aber wir haben gezeigt, dass wir stark genug sind, um da wieder raus zukommen.“
Der Ton im Borussen-Lager wird langsam etwas forscher. Auch wenn weiterhin das oberste Gebot herrscht, „von Spiel zu Spiel zu denken“, ist keiner gewillt, den aktuellen Rang vier, der zur Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation berechtigt, freiwillig wieder herzugeben. „Wir werden alles dafür tun, um oben zu bleiben. Das ist doch logisch“, sagt Roel Brouwers. Der Innenverteidiger, der im Dezember zum ersten Mal Vater wurde, freut sich ganz besonders auf den Rückrundenstart, weil er mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit gegen den FC Bayern in der Startelf stehen wird - sein „Vorgesetzter“ Dante muss eine Gelbsperre absitzen.
Bei dem Wirbel um die Sommertransfers ist fast unbeachtet geblieben, dass mit Alexander Ring und Tolga Cigerci zwei neue 'Fohlen' an Bord sind. Speziell Ring, der den Wintercup mit einer Oberschenkelverletzung vorzeitig beenden musste, gehört zu den Gewinnern der Vorbereitung. Der Finne, der nach eigenen Aussagen im zentralen defensiven Mittelfeld heimisch ist, wurde von Lucien Favre auf der Außenbahn getestet und dort gelangen ihm gleich drei Treffer in den Vorbereitungsspielen. Während Cigerci noch um den Anschluss kämpft, könnte der freche Finne schon bald eine echte Alternative sein.
„Wir haben gute Jungs dazubekommen“, freut sich Stranzl über die steigende Qualität im Kader. Der Mannschaft stellt der erfahrene Österreicher ein gutes Zeugnis aus: „Wir sind gut drauf, der Spaß ist da, aber vieles wird davon abhängen, welche Ergebnisse wir zu Beginn erzielen werden.“ Mit vier Zählern Rückstand auf den Tabellenführer existiert grundsätzlich noch die Möglichkeit, dass im Mai DFL-Präsident Reinhard Rauball eine Salatschüssel in den Borussia-Park bringen könnte. „Jeder Spieler träumt davon, irgendwann mal Meister zu werden“, meint Stranzl, „und wenn man jedes Spiel als einzelnes betrachtet, sieht man, wie viele Möglichkeiten man da hat.“
Da war es wieder, dieses Denken „von Spiel zu Spiel“. Und spätestens mit dieser Redewendung herrscht wieder Alltag rund um den Borussia-Park.
Autor: Andreas Cüppers - mehr Infos zur Borussia auch auf der ⇒Facebook-Seite!


