Die Superhits der 80er, der 90er und das Beste von heute

Der Neustart nach dem Neustart

Foto: DFM

Die Alemannia hat es wieder in den bundesweiten Fokus geschafft. Leider. Denn die erste Trainerentlassung der Saison 2011/12 wurde am Tivoli vollzogen. Als einen „Paukenschlag“ bezeichnete es beispielsweise 'sport1.de'. Doch bei genauerer Betrachtung war der Knall gar nicht so laut. Es gab in der Bundesliga-Geschichte nicht allzu viele Trainer, die mit einem Tor und drei Punkte nach sieben Spielen noch an ihrem Stuhl klebten.

So musste sich auch Alemannias Sportchef Erik Meijer den sogenannten „Gesetzmäßigkeiten der Branchen“ beugen. Eine persönliche Niederlage sei es für ihn, sagt der Niederländer. Neben Cheftrainer Peter Hyballa musste auch Co-Trainer Erik van der Luer seine Koffer packen. Der fühlte sich nach eigenen Angaben „verarscht“. Auch wenn das Modell der Amtsübernahme durch den Co-Trainer ein weit verbreitetes Phänomen ist, blieb Meijer knallhart.

Zu groß waren die Störungen zwischen Mannschaft und Trainer-Team, das in der jüngsten Vergangenheit aus zwei Einzelkämpfern bestand. Dass Meijer darauf verzichtet, in der Öffentlichkeit dreckige Wäsche zu waschen, zeigt einmal mehr die menschliche Ader des Limburgers. „Ich habe einem jungen Mann die Chance gegeben in die Profi-Welt einzusteigen“, blickt Meijer zurück. Aber wenn die Ergebnisse ausbleiben, „passiert das, was schon seit 50 Jahren passiert.“

Mit großem Elan und spürbarer Aufbruchstimmung begann das Kapitel Peter Hyballa im Sommer 2010. Ein unverbrauchter junger Mann, dessen Wortschatz noch nicht zu einem Großteil aus Floskeln bestand, sollte der Alemannia ein neues Gesicht geben. Mit ebenso jungen wie talentierten Spielern sollte der Tivoli zum Erlebnispark mutieren. Das klappte in regelmäßigen Abständen, vor allem im DFB-Pokal brannte sprichwörtlich die Luft.

Der jüngste Trainer im Profigeschäft feierte erste Erfolge und durfte sich über eine Wahrnehmung weit über die Grenzen der Euregio freuen. Doch auf der Welle des Erfolgs hat Hyballa etwas ganz elementares vergessen: Mit 35 Jahren ist ein Trainer noch in einer Entwicklungsphase. Sein Umgang mit der Mannschaft, vor allem der mit einzelnen Spielern, war nicht immer unumstritten. Mit der Zeit verscherzte es sich der Coach auch mit einigen Trainingskibitzen. „Der sagt hier keinem mehr die Tageszeit“, hörte man die Fans fluchen. Funkstörungen an der Basis sind Gift für jeden Trainer.

Während Hyballa nun die Möglichkeit hat, die Zeit bei der Alemannia zu reflektieren, muss Erik Meijer möglichst schnell Lösungen finden. Friedhelm Funkel ist inzwischen auch wieder arbeitslos. Ein erfahrener, im Westen tief verwurzelter Trainer, der sich auch nicht von einem letzten Tabellenplatz abschrecken lässt. Marcell Koller geistert auch gerne durch die Gazetten, wenn in Deutschland ein Trainerstuhl frei wird. Karsten Baumann, zuletzt beim VfL Osnabrück entlassen, kennt den Abstiegskampf in der zweiten Liga.