Lastwagen-Kollonnen in Scherpenseel

„Ich bin für die Ortsumgehung, ein LKW ist schon in mein Haus gefahren“, sagt ein aufgebrachter Mann am Donnerstagabend ins 100‘5-Mikro. Ein Landwirt erwidert: „Und was passiert dann mit meinem Hof? Die Ortsumgehung bringt nur Probleme für meinen Betrieb.“ Es geht mal wieder um das Dauerthema in Scherpenseel im Kreis Heinsberg. Die Ortsumgehung für die Orte Scherpenseel, Siepenbusch und Ubach-over-Worms wird seit Jahrzehnten diskutiert und jetzt könnte sie tatsächlich bald kommen.

Am Donnerstagabend ist der Saal in Scherpenseel voll. Mehr als 200 Politiker, Landwirte, Umweltschützer und Anwohner sind gekommen. Nachdem bekannt wurde, dass die Ortsumgehung in den Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgenommen wurde, hat das Thema nochmal an Fahrt aufgenommen. Denn durch die Aufnahme in die Planungen der Bundesregierung, werden aus jahrelangen Forderungen plötzlich konkrete Ideen.

So macht Übach-Palenbergs Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch am Donnerstagabend ordentlich Werbung für die neue Ortsumgehung. Täglich rollen mehr als 10.000 Fahrzeuge durch den Übach-Palenberger Stadtteil Scherpenseel. Da sei es klar, dass „sich die Anwohner belästigt fühlen.“ Und es werden noch mehr: Wenn bald der autobahnähnliche „Buitenring“ auf niederländischer Seite fertig wird, werden tausende zusätzliche Autos und Schwertransporter in Scherpenseel erwartet. Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung und die tägliche Gefahr, dass ein LKW-Unfall gehören zu den Hauptgründen für eine neue Ortsumgehung. Aber auch der wirtschaftliche Aspekt ist laut Jungnitsch ein wichtiger: Schließlich verbinde die Ortsumgehung auch einen Wirtschaftsraum zwischen den Niederlanden und der Region, sagt der Bürgermeister. Er nennt Übach-Palenberg in dem Zusammenhang eine „explodierende Stadt“.

Kritik gibt es bei dem Projekt meist nur, wenn es darum geht, wo die Straße lang laufen soll. Und da befürchten vor allem Landwirte in der Region um ihre Existenz, da die Bauarbeiten, sowie die Ortsumgehung selbst, ihre tägliche Arbeit stören könnte. Ein Landwirt fügt hinzu: „Wir sind grundsätzlich nicht gegen eine Umgehungsstraße. Wir sehen selber die Verkehrsbelastung im Ortsteil Scherpenseel, aber unserer Meinung nach müsste man bestehende Straßenprojekte, wie zum Beispiel die Autobahnweiterführung in Heinsberg abwarten und die Verkehrsentwicklung daraus ersehen.“

Die Frage, wann die neue Straße denn kommt, bleibt auch an diesem Abend unbeantwortet. Aber nach fast drei Stunden Diskussionsrunde hat man das Gefühl, Scherpenseel ist dem Projekt Ortsumgehung wieder ein Schrittchen näher gekommen. Und so fällt auch Wolfgang Jungnitschs Fazit aus: „Es ist noch ein hartes Stück Arbeit, aber das ist es wert, dass wir hinterher diese Straße bekommen.“ 

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