„Eine wichtige Weichenstellung“: Fünf Fragen an Dr. Christian Steinborn

Alemannia Aachen und die Finanzen: Auch im neuen Jahr dreht sich alles um die finanzielle Schieflage beim Traditionsverein vom Tivoli. Schock im Dezember. Der bisherige Hauptsponsor hat den Zahlungsverkehr eingestellt. Es fehlen mehr als 120.000 Euro in der Kasse der Alemannia. Es folgte die Kündigung. Nun suchen die Aachener nach Ersatz. Doch das erweist sich als besonders schwierig, da bei vielen regionalen Geldgebern Vertrauen verspielt ist. 100'5-Sportreporter Tim Gorgels hat zu der aktuellen Entwicklung Alemannia Aachens Aufsichtsratvorsitzenden Dr. Christian Steinborn fünf Fragen gestellt.

Der bisherige Hauptsponsor ist abgesprungen – wie ist der aktuelle Stand für einen neuen Sponsor?

Zunächst einmal verfolgen wir weiter die Ansprüche gegen den bisherigen Sponsor. Wir haben jetzt von unserer Seite auch gekündigt und werden unsere Anwälte sprechen lassen. Selbstverständlich kümmern wir uns um Ersatz. Das sieht sehr gut aus. Wir haben da mehrere Gespräche. Die wollen natürlich auch wissen, wie es mit der Finanzierung weiter geht. Ich hoffe, dass wir da bald Nägel mit Köpfen machen können. Wir wollen mit einem neuen Trikotsponsor am 18. Februar auflaufen.

Was sagen Sie den Alemannia Anhängern, die sagen, wir wollen einen klaren Schnitt und lieber eine weitere Insolvenz als einen radikalen Sparkurs?

Dafür bin ich persönlich nicht angetreten. Das weiß jeder, der mich kennt und mir zugehört hat. Wenn der Souverän so entscheidet, dann werden wir das selbstverständlich so akzeptieren. Ich kann aber nur aufrufen und sagen, Fußball ist kommerziell geworden. Wenn wir mit dem Verein eine Rolle im Konzert der Großen spielen wollen, dann wird es auf jeden Fall so sein müssen, dass wir uns dem Diktat der Wirtschaftlichkeit unterwerfen. Das bedeutet: Externe Investoren zulassen.

Wie kurz davor ist der Verein nicht mehr zahlungsfähig zu sein?

Momentan sind wir weit davon entfernt. Nichtsdestotrotz, wenn wir Signale haben das Zahlungen ausbleiben, müssen wir natürlich unserer Verpflichtung nachkommen, verantwortlich zu handeln. Das ist die Aufgabe des Aufsichtrats. Ich bin guter Hoffnung, dass wir eine gute Lösung finden. Ich kann nur jeden aufrufen, den Verein zu unterstützen und ganz besonders die, die schon einen Vertrag mit dem Verein geschlossen haben.

Wie geht’s nun intern weiter – was wird zurzeit im Aufsichtsrat besprochen?

Wir müssen in den Gremien nun diskutieren, wie wir auf das Angebot der Investoren antworten. Wir werden Optionen darstellen und lokale Lösungen vorstellen. Und dann werden wir sehen, wie die Resonanz ist. Eine Entscheidung der Mitglieder soll im Frühjahr fallen.

Ist das die schwierigste Zeit, die Sie gerade als Aufsichtsratvorsitzender durchmachen?

Es ist wirtschaftlich sicherlich eine sehr herausfordernde Zeit. Ich glaube aber, dass das auch eine Zeit ist, die mit der entsprechenden Weichenstellung der Alemannia eine Zukunft geben kann – dafür sind wir angetreten. Wir wussten, dass es nicht einfach wird.

Tim Gorgels - Sportreporter

Tim Gorgels 100'5 Sportreporter

Tim Gorgels begleitet Alemannia Aachen in der Regionalliga West und kommentiert die Spiele der Schwarz-Gelben im Alemannia Livestream.

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