Die Superhits der 80er, der 90er und das Beste von heute

Will Young "Echoes"

In Großbritannien ist er ein Star, bei uns weitestgehend unbekannt: Will Young.

Will startete seine Karriere im März 2002 als Gewinner der ersten Castingshow Pop Idol. Seine erste Single Evergreen/Anything Is Possible ist mit über 1,7 Mio. verkauften Exemplaren auf Platz 12 in der Liste der am meist verkauften Singles im Königreich. Und im Gegensatz zu den meisten anderen Castingstars weltweit hält sein Erfolg dort bis heute an. Zahlreiche Nummer 1 Hits und durchweg Platinauszeichnungen pflastern seinen Weg.

Allein bei uns will sich der Erfolg nicht einstellen.

Das wird sich wohl auch mit seinem neuen Album Echoes leider nicht ändern. Verdient hätte er es allerdings. Nach dreijähriger Pause hat Will sich den Produzenten Richard X (Saint Etienne, M.I.A., Kelis und Goldfrapp u.a.) an seine Seite geholt und wagt - mit dem bereits fünften Album - den musikalischen Neuanfang.

Er ist vollends geglückt. 13 moderne und erwachsen klingende Popsongs sind entstanden und keiner von ihnen ist als Füllersong zu brandmarken.

Richard X gelingt es, die zum Teil leicht schmachtende bzw. leidend klingende Stimme Youngs in ein ausgetüfteltes DancePop Gewand zu kleiden. Wer das aktuelle Take That Album oder die Musik des Ex-Savage Garden Sängers Darren Hayes mag, wird Echoes lieben.

Bereits die erste Single und der Opener „Jealousy“ ist ein großartiges Stück aktueller Popmusik. Es beginnt zunächst ruhig, baut sich langsam auf und entwickelt dann starke Ohrwurmqualitäten, die ansonsten vielleicht noch ein James Blunt aus dem Ärmel schüttelt.

Stark auch die Balladen „Silent valentine“ oder „Lie next to me“. Seine stimmliche Bandbreite reicht von zart/zerbrechlich bis hin zu ausdrucksstark/tief. Immer wieder perfekt in Szene gesetzt. Will erklärte in einem Interview, dass er durch die Arbeit an dem Werk gelernt hat, „mehr Platz in der Musik zu lassen“. Und dieser Platz tut ihm gut. Chöre und Streicher müssen draussen bleiben, poppige Synthies und Klavier übernehmen das Steuer.

Das in lasziver 70ies Diskomanier produzierte „I just want a lover“ ist ein weiterer Höhepunkt. Das sich die Stimme Will Youngs sogar bis in Jimmy Somervillesche Stimmlagen aufschwingen kann, beweist der famose Abschlusstrack „Safe from harm“.

Er hätte den Durchbruch bei uns mehr als verdient.

8/10

Hörproben: I just want a lover - Jealousy - Safe from harm