Die Superhits der 80er, der 90er und das Beste von heute

R.E.M. "Collapse Into Now"

Das 15. Studioalbum von R.E.M. bietet – ob der Fülle des vorhandenen Materials – reichlich Gelegenheit zur Einordnung in das Gesamtwerk.

Wo steht die Band 2011? Wie innovativ kann man nach fast 30-jähriger Karriere noch sein? Oder anders gefragt: gelingt es dem Trio, sich noch mal neu zu erfinden?

Nach dem Ausstieg des Schlagzeugers Bill Berry gelang ihnen das 1998. Mit „Up“, dem sicherlich besten und am meisten unterschätzten Album. 2008 wollten sich R.E.M. ohne erneute personelle Veränderung auch neuerfinden und scheiterten mit „Accelerate“ ganz kolossal. Die Messlatte für den neusten Streich liegt demnach ganz schön tief.

Irgendwo zwischen den beiden Werken siedelt sich nun „Collapse Into Now“ an. Das Album, das teilweise von Michael Stipes Aufenthalt in Berlin inspiriert wurde, verströmt allerdings eher den Mief der Vergangenheit, als das pulsierende Leben einer sich im ständigen Umbruch befindlichen Großstadt. Oder sollte ich besser sagen: mehr New Orleans und Nashville als Berlin.

Das sie letztlich nicht scheitern verdanken sie ihrer unglaublichen Professionalität und Routine. Keine Eigenschaften die – und das ist die Kehrseite der Medaille – wirklich Großes zulassen.

Hörproben: "Discoverer" - "Überlin" - Alligator Aviator Autopilot Antimatter"

R.E.M. bedienen mit den 12 Songs ihre ebenso in die Jahre gekommenen Fanbasis, die den Abend eher mit einem Glas Rotwein ausklingen lässt, als im Berghain die Nacht zum Tag zu machen.

Das Album beginnt mit „Discoverer“ durchaus hoffnungsvoll. E-Gitarre und Schlagzeug bestimmen das Bild und einen gewissen Mitsingfaktor kann man nicht absprechen.
Für „All The Best“ gilt das genauso. „Überlin“ hat darüber hinaus das Zeug sich zu einem Klassiker bei den Fans zu entwickeln. Beinhaltet es doch alle dafür notwendigen Zutaten: einen gewissen Schunkelfaktor, Unaufgeregtheit und eine starke Melodie. Die erste Single „Oh My Heart“ erinnert musikalisch sehr stark an Element of Crime („Schwere See“). Wenn sie nach mehrmaligem Hören gezündet hat, ein starkes Stück mit langem Nachhall.

Ansonsten? Joel Gibb von den Hidden Cameras, die langjährige Freundin Patti Smith, Peaches und Eddie Vedder steuern Gastvokals bei, hinterlassen allerdings keinen besonders bleibenden Eindruck.

Und so schlingert man fortan zwischen betulich („Every Day Is Yours To Win“) und druckvoll („Alligator Aviator Autopilot Antimatter“) durch souverän produzierte R.E.M.- Standardware, die bei den ruhigen Nummern auch mal den Charme von Fahrstuhlmusik versprüht.

Böse Zungen würden sagen: Persil für die Ohren. „Da weiß man, was man hat“.

5/10