Wills Notizblog: Rudelgucken im Regen

BLOG: Ich gebe offen zu, dass ich kein Freund bin von Public Viewings. Statt sich auf das Spiel zu konzentrieren, ist man umgeben von Leute, die überflüssige Sachen fragen wie: „Was heißt denn kurzer Pfosten? Sind die nicht beide gleich lang?“ oder „Wo ich das gerade frag: Wofür braucht man eigentlich ein langer Ball? Müssen die nicht rund sein?“

Und wenn mal alle die Schnauze halten, weil eine spannende Situation dran ist, dann kommt garantiert einer vorbeigelatscht, der zehn Bierbecher über sein Kopf hält und brüllt: „Lasst mich mal durch. Heiß und fettig“. Ich sag euch: Wenn so Typen an mir vorbei sind, dann haben die mit viel Glück noch ein Becher Bier in der Hand.

Aber da sowas immer nur Ärger gibt, guck ich lieber zu Hause bei mir im Wohnzimmer. Wie wahrscheinlich die meisten im Moment. Denn man muss klar sagen: Public Viewing hat es bis jetzt schwer bei diese Europameisterschaft. Kaum einer geht auf die Open-Air-Fanmeilen, weil die Verletzungsgefahr viel zu groß ist – denn wie schnell kriegt man da ein Regenschirm im Auge? Es ist ja nur am plästern. Bis jetzt ist die EM kein Sommermärchen, sondern eher ein Sommergewittermärchen. Für die Veranstalter von so Public Viewings tut es mir natürlich Leid, weil die sich ja viel Mühe gegeben haben. Aber ich denke mal, dass die Kosten sich noch einigermaßen im Rahmen halten, schließlich konnte man die Großbildleinwände dieses Jahr sehr billig in Holland mieten. Die Holländer machen sich nämlich nicht so viel aus Fußball. Versteh ich aber auch, das ist ja mehr eine Skifahrer-Nation.

Übrigens: ‚Public Viewing‘ heißt im Englischen gar nicht ‚Rudelgucken‘. In England und Amerika  bedeutet das Wort übersetzt: ‚Leichenfeier mit offener Sarg‘. Ja gut, irgendswie passt das natürlich. Die Stimmung ist jedenfalls im Moment auf beide Veranstaltungen dieselbe. 

 

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